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Werbung

In der Werbung wird die klassische Konditionierung insbesondere für die Koppelung eines Produktes mit positiven emotionalen Reaktionen eingesetzt. Das Ziel einer solchen Konditionierung ist die erhöhte Kaufwahrscheinlichkeit.

Ein anfänglicher neutraler Produktname (NS) wird gleichzeitig mit einem Reiz präsentiert, der eine positive emotionale Reaktion auslöst. Dieser Reiz ist entweder ein unkonditionierter (UCS) oder ein bereits konditionierter Stimulus (CS).

Reize, die sich dem Kindchen-Schema (kleine Kinder, junge Tiere) bedienen, auf Sex-Appeal (attraktive Frauen, gut aussehende Männer) ansprechen oder mit entspannter Musik, Zärtlichkeit und Liebe einhergehen sind Beispiele für solche unkonditionierten Stimuli. Reize dieser Klasse lösen in uns eine angeborene positive Reaktion aus. Ein konditionierter Stimulus (CS), der im Sinne einer Konditionierung höherer Ordnung für die Generierung von positiven Gefühlen eingesetzt wird, ist beispielsweise der Marlboro-Mann, mit dessen Hilfe Eigenschaften wie Freiheit, Unabhängigkeit, Naturverbundenheit und Sex-Appeal an die Zigarette gekoppelt werden. Die Tabak-Werbung zeigt auf eindrückliche Weise, wie raffiniert solche Botschaften konzipiert sind. Soziale Interaktion

Nach lerntheoretischer Ansicht kann die Sympathie, die man gegenüber einer Person empfindet ebenfalls anhand des Modells der klassischen Konditionierung erklärt werden. Wenn eine Person von ihrem Gegenüber angelächelt wird (Koppelung der Person mit sozialer Zuwendung) oder mit dieser im Rahmen einer Partnerschaft Zärtlichkeit, Liebe und Sexualität erlebt, wird diese Person (die ursprünglich ein neutraler Stimulus (NS) war) zu einem positiven konditionierten Stimulus (CS). Sympathie oder Antipathie sind somit in vielen Fällen Folge einer klassischen Konditionierung. Motivation

Im pädagogischen und insbesondere im schulischen Kontext spielt die (Lern-) Motivation eine zentrale Rolle. Einige Aspekte dieses vielschichtigen Konstruktes können durch Mechanismen der klassischen Konditionierung erklärt werden.

Zum Beispiel kann ein neutrales Schulfach (NS) an Attraktivität gewinnen, sofern die Lehrkraft den Unterricht spannend und abwechslungsreich gestaltet. Die positiven Emotionen, die durch die Lehrkraft kommuniziert werden, können sich mit dem Schulfach koppeln, wodurch schliesslich das Schulfach alleine positive Gefühle auslöst und so einen Anstieg der Motivation bewirkt.

Insgesamt sind allerdings die Prinzipien der klassischen Konditionierung im pädagogischen Kontext weit weniger von Relevanz als diejenigen der operanten Konditionierung. Systematische Desensibilisierung

Die systematische Desensibilisierung ist eine verhaltenstherapeutische Methode, die ursprünglich von Wolpe (1958) für die Behandlung von Patienten mit Phobien und Angststörungen entwickelt wurde. Sie gilt als eine der am besten untersuchten psychologischen Interventionsmethoden. Die systematische Desensibilisierung charakterisiert sich durch drei Kernelemente:

  1. Hierarchisierung der Angstreize
  2. Darbietung der Angstreize in sensu
  3. Darbietung der Angstreize im entspannten Zustand

Zu Beginn der Therapie werden mit dem Patienten 10 angstauslösende Situationen definiert, die sich in ihrem Grad der Angstauslösung klar unterscheiden lassen und sich auf einer 10-Punkte-Skala je einer Skalenstufe zuordnen lassen (Situation, die nur minimal Angst auslöst: Stufe 1; Situation, die maximale Angst auslöst: Stufe 10). Für jede der zehn Angstsituationen wird mit dem Patienten ein möglichst plastisches Szenario erarbeitet. Parallel dazu wird der Patient in die Technik der progressiven Muskelentspannung nach Jacobson (1938) eingeführt. In den nachfolgenden Therapiesitzungen (sobald der Patient die Entspannungstechnik beherrscht) werden nun im entspannten Zustand die verschiedenen angstauslösenden Situationen graduiert vorgegeben. Es wird mit der einfachsten Situation begonnen (Stufe 1). Sobald diese Stufe angstfrei durchlebt werden konnte, fährt der Therapeut in den nachfolgenden Therapiesitzungen mit den jeweils nachfolgend schwierigeren Items fort. Stellt sich eine subjektiv starke Erregung ein, wird bei dieser Situation verharrt, bis sie angstfrei bewältigt werden kann. Erst danach erfolgt die Konfrontation mit der nächst schwierigeren Situation. Die gesamte Darbietung erfolgt in sensu, d.h. die Situationen werden gedanklich durchgespielt. Durch die hohe Plastizität der Situationsbeschreibung durch den Therapeuten fällt es dem Patienten in der Regel leicht, sich in die Situation hineinzuversetzen und emotional mitzugehen. Häufig folgen nach der Konfrontation in sensu (v.a. zu einem späteren Zeitpunkt in der Therapie) auch Reizkonfrontationsübungen in vivo (in der realen Begegnung mit dem phobogenen Objekt, sofern dies möglich und ungefährlich ist). Eine Therapie mit der systematischen Desensibilisierung umfasst in der Regel 8-12 Sitzungen.

Als Wirkmechanismen werden Löschung (da der Angstreiz ohne UCS dargeboten wird), Habituation (da durch das schrittweise, graduierte Vorgehen zehnmal eine Konfrontation mit dem Angstreiz erfolgt) und Gegenkonditionierung (da die angstauslösende Situation (CS) mit einem positiven UCS (Entspannung) gekoppelt wird) genannt. Flooding und Implosion

Während die systematische Desensibilisierung durch die Vorgabe der Entspannung vermutlich doch stark durch den Prozess der Gegenkonditionierung geprägt ist, wirken bei den massierten Verfahren (Flooding oder Implosion) lerntheoretisch vor allem die Prozesse der Habituation und Erschöpfung. Die Patienten werden den Angstreizen mit voller Intensität ausgesetzt, ohne jedoch Flucht- und Vermeidungsmöglichkeiten zu haben und werden von der Therapeutin so lange in der Situation behalten, bis sich aufgrund der physiologischen Erschöpfung eine Abnahme der Angst einstellt. Obgleich heute selten noch mit Flooding/Expositionsverfahren gearbeitet wird, stellt die Reizkonfrontation in vivo unter mittlerem bis hohem Schwierigkeitsgrad (jedoch ohne Übersteigerung) eine der häufigsten Behandlungsmethoden von Ängsten dar. Die Reizkonfrontation findet unter strenger Anleitung und (häufig in einem ersten Schritt) auch unter Begleitung der Therapeutin statt. Im Zentrum steht das aktive Aufsuchen der angstauslösenden Situationen und die lang andauernde Konfrontation mit diesen Situationen in vivo. Zentral an der Reizkonfrontationsmethode ist, dass (a) die angstauslösende Situation real (in vivo) konfrontiert werden, dass (b) die Exposition so lange dauert, bis die Angst abnimmt und dass (c) Vermeidungsverhalten systematisch ausgeschaltet wird.

Aversionstherapie

Eine weitere Intervention, die zwar häufig mit der operanten Konditionierung in Verbindung gebracht wird, welche jedoch in weiten Zügen in ihrer Wirksamkeit besser mit der klassischen Konditionierung erklärt werden kann, ist die Aversionstherapie. Diese wurde vor allem zu Beginn der Verhaltenstherapie zur Behandlung von Alkohol-, Drogen- oder Zigarettenabusus eingesetzt.

Bei dieser Therapie wird ein bestimmter neutrale Reiz (z.B. Zigarette oder Alkohol) durch die raum-zeitliche Koppelung mit einem aversiven Reiz (UCS: chemische Substanz, Elektroschock) klassisch konditioniert.

Die am häufigsten gebrauchten aversiven Reize sind Elektroschocks und übelkeitserregende Substanzen wie z.B. Antabus im Rahmen der Behandlung von Alkoholismus. Antabus verursacht kurz nach dem Konsum von Alkohol Übelkeit, die einen starken Brechreiz auslöst. Der Breichreiz (UCS) wird entsprechend mit Alkohol (NS) gekoppelt und löst eine Aversionsreaktion (CR) aus. Alkohol wird so zu einem Stimulus, der künftig gemieden wird, da gerade Brechreize (vgl. Speiseaversion) sehr löschungsresistent sind.

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